Warm oder Kalblütig? Drucken E-Mail

Warmblütige oder kaltblütige Dinosaurier?

Lange Zeit ging man davon aus, dass die Dinosaurier wie ihre heute noch existierenden Reptilienverwandten und die Amphibien wechselwarm gewesen sind. In jüngster Zeit wurde jedoch diskutiert, ob sie nicht vielleicht - wie die Vögel und die Säuger - warmblütig waren. Wechselwarme Tiere sind in ihrem Wärmehaushalt von der Sonne abhängig. Gleichwarme Tiere hingegen wandeln die aufgenommene Nahrung zu einem großen Teil in Wärme um. Die heutigen warmblütigen Tiere haben eine konstante Körpertemperatur im Bereich von 36 bis 41 °C. Ihr Energieverbrauch ist ungefähr zwölfmal so groß wie der eines wechselwarmen Tiers. Für einen Dinosaurier wie Brachiosaurus hätte die Energie selbst dann nicht ausgereicht, wenn er 24 Stunden am Tag ununterbrochen gefressen hätte.
In den sechziger Jahren allerdings führten einige Berechnungen zu einem Meinungsumschwung. Sie befassten sich hauptsächlich mit dem Energieverbrauch, den die verschiedenen Tierarten zum Leben benötigten. Warmblütler verzehren verhältnismäßig große Futtermengen. Davon werden 80 bis 90 Prozent zur Erhaltung der Körpertemperatur verbraucht und der Rest von den Muskeln zur Bewegung und Atmung. Eine Eidechse von menschlichen Abmessungen müsste als Warmblütler 40mal soviel verzehren, was nicht der Fall ist.
Kaltblütler wiederum bewegen sich selten. Eine Eidechse sammelt die nötige Körpertemperatur, indem sie 90 Prozent ihres Lebens still in der Sonne liegt. Nur von Zeit zu Zeit macht sie einige schnelle Bewegungen, um ein Insekt zu verschlucken oder sich zu verstecken. Je größer jedoch die Eidechse ist, um so schwieriger wird es für sie, durch die Sonne genügend Wärme zu erhalten. 1946 errechneten drei Wissenschaftler folgendes: Wenn die zur Bewegung erforderliche Körpertemperatur eines Dinosauriers, einem Kaltblütler, nur um 1 Grad sank, d. h. er in einen Winterschlaf fiel, müsste er drei ganze Tage lang in heißer Sonne liegen, um seine normale Körpertemperatur wiederzuerreichen. Bei längerer Sonneneinstrahlung wäre der Dinosaurier jedoch höchstwahrscheinlich an Überhitzung gestorben. Dies passierte drei unglücklichen Alligatoren beim Experiment eines Wissenschaftlers. Ebenfalls wurde errechnet, dass die Sonnenwärme für die Körpertemperatur nicht ausreichen würde, um die größeren Dinosaurierarten aufrecht zu halten, geschweige ihnen die Bewegung zu ermöglichen. Ein acht Tonnen schwerer Tyrannosaurus hatte schon enorme Schwierigkeiten, um überhaupt auf den Beinen stehen zu können. Adrian Desmond meint dazu: Der Tyrannosaurus ist mit einer Eidechse nicht zu vergleichen. Diese läuft immer nur kurze Strecken und legt sich dann zur Erholung wieder flach auf den Bauch. Der Tyrannosaurus war anders gebaut. Meistens stand er hochbeinig auf dem Boden, denn seine Körperform war für das flach ausgestreckte Liegen auf der Erde nicht geeignet. Der riesige Brontosaurus musste ungeheure Muskelkraft aufbieten, damit sein 50 Tonnen schwerer Körper nicht zusammenfiel. Die Flugsaurier hingegen besaßen schon die ersten Anzeichen von einem Fell, was nur warmblütigen Tieren vorbehalten ist.
Viele Paläontologen glauben deswegen, die Dinosaurier hätten eine niedrigere Körpertemperatur als die heutigen warmblütigen Tiere gehabt. Da ihnen eine Isolierschicht aus Haaren oder Federn fehlte, waren die Dinosaurier davon abhängig, dass die Umgebungstemperatur einigermaßen stabil blieb. Es ist fraglich, ob sie imstande waren, sich an größere Klimaveränderungen anzupassen, möglicherweise führte diese Unfähigkeit letztlich zu ihrem Aussterben, worauf dann weniger empfindliche und dank ihres Fells besser isolierte Tiere ihre Rolle übernahmen.

Die Dinosaurierherzen ähneln eher denen der Vögel und Säugetiere, als denen der Echsen.


Amerikanische Wissenschaftler untersuchten bis zum Frühjahr 2000 das Herz eines Thescelosaurus. Das Tier war etwa so groß wie ein Pony und lebte vor rund 66 Millionen Jahren. Per Computertomographie konnten die Forscher vier Herzkammern feststellen. Ein Indiz für einen wesentlich höheren Stoffwechsel als es vielfach angenommen wurde. Einiges spricht dafür, dass Thescelosaurus ein Warmblüter war. Aufgrund fehlender Blutgefäße konnten die Experten allerdings keine Rückschlüsse auf die Anatomie und Funktion des Organs ziehen. Immer mehr Funde und Erkenntnisse sprechen dafür, dass die Dinosaurier keine Kaltblüter waren. Zwei Amerikaner, William Showers und Reese Barrick, haben eine aus der Klimaforschung stammende Methode genutzt, um die Körpertemperatur der Dinosaurier rückwirkend zu bestimmen. Sie machten sich die Temperaturabhängigkeit der Isotope zunutze. Je nach Temperatur ändert sich das Verhältnis beider Isotope, außerdem werden diese Isotope bei der Knochenbildung temperaturabhängig eingebaut. Bei Warmblütern wachsen die Knochen unter gleichmäßigen Körpertemperaturen. Bei Wechselblütern sind die Knochen an Beinen und Schwanz wesentlich kühler. Das konnten die Forscher an den Knochen einer Kuh und denen eines Komodo-Warans bestätigen. Als sie die Methode bei Dinosaurierknochen anwandten, stellten sie fest, dass einer der größten Fleischfresser aller Zeiten, der Tyrannosaurus rex, eine Isotopenvariabilität hatte, wie heutige Hirsche! – Nur kalte Füße soll er gehabt haben. Verwunderlich waren Knochenuntersuchungen an einem Camarasaurus, einem der größten Pflanzenfresser: Die Wissenschaftler maßen sowohl im Innern der Schwanzwirbel des Tieres, als auch in den äußeren später gewachsenen Regionen. Wenn bei der Fossilisation keine Isotopenverschiebung stattgefunden hat, muß dieses Ergebnis dafür sprechen, dass diese Tiere erst Warmblüter waren, um möglichst schnell aus einer gefährlichen Jungtiergröße herauszuwachsen und später zu Wechselwarmen wurden. Ein Wechsel der Stoffwechselaktivität wurde bisher bei noch keinem lebenden Tier nachgewiesen. Sicher ist, das die früher vorherrschende Meinung, bei Dinosauriern handele es sich um träge, dumme und plumpe Viecher, nicht mehr haltbar ist.