Drucken E-Mail

Gab es Dinosaurier in der Antarktis?
Über Jahrzehnte hinweg stellten sich die Wissenschaftler immer wieder die Frage ob Dinosaurier in der Antarktis existierten und wie konnten sie im kalten Klima überleben. Ein Jahrhundert glaubten die Wissenschaftler das Dinosaurier wie ihre Verwandten die Krokodile wechselwarm gewesen sind. Einem wechselwarmen Tier fehlt aber der innere Mechanismus, selbst Wärme zu produzieren, sie sind also von der Sonne abhängig um ihre "Betriebstemperatur" zu erreichen. Im rauen Klima der Antarktis hätte also ihr Stoffwechsel um den Gefrierpunkt herum funktionieren müssen um zu überleben, demzufolge sind viele Paläontologen der Meinung, dass die Tiere warmblütig gewesen sein müssen um in der Antarktis überleben zu können.
Ob die Dinosaurier warmblütig oder wechselwarm waren wird heute immer noch heiß diskutiert, fest steht allerdings, dass die Dinosaurier dem Frost in der Antarktis getrotzt haben. Wie aber kamen sie mit der Dunkelheit und Kälte der Polarnacht zurecht. Die Welt der Dinosaurier zu enträtseln ist nie leicht und manchmal helfen nur ungewöhnliche Methoden. 1980 gelang es dem Paläontologe Tom Rich vom "Museum of Viktoria" in einem Ort der als "Dinosaur Cove" bekannt wurde, an der Südostküste Australiens (Australien, gehörte vor 120 Millionen Jahren noch zur Antarktis und lag somit im Polarkreis) spektakuläre Fossilien freizulegen. In fast 20 Jahren wurden mehr als 5000 Einzelknochen und auch zwei Teilskelette geborgen. Darunter auch ein Dinosaurier den Tom und seine Frau Pat, ebenfalls Paläontologin, nach ihrem Sohn Tim "Timimus" tauften. Timimus lebte vor 120 Millionen Jahren gehörte zur Familie der Ornithomimidae, war 3,5 Meter lang und konnte auf seinen Raubzügen Spitzengeschwindigkeiten von bis 65 m/h erreichen. Timimus wurde ebenfalls in Nordamerika gefunden, wo er sehr artenreich war, es gab aber bis dahin noch keinen Beweis, dass er auch in der Antarktis vertreten war. Wie konnte aber ein Dinosaurier aus den warmen Regionen in der Kälte der Antarktis überleben. Nachdem äußerliche Untersuchungen und Vergleiche mit seinem amerikanischen Verwandten nichts erbrachten, entschloss man sich Timimus innerlich zu untersuchen. So zerschnitt man die Knochen und hoffte das die Knochenstruktur einen Anhaltspunkt gab. In der geowissenschaftlichen Abteilung des South African Museum in Cap Town (Südafrika)wurde die Technik des Studiums von Baumringen auf Knochen übertragen, so konnten Anhaltspunkte für die Lebensweise von den Dinosauriern gefunden werden.
So kann man z.B. anhand der Knochenstruktur eines Eisbärenknochens das Wachstum des Bären nachvollziehen. Unter dem Mikroskop betrachtet erkennt man helle und dunkle Ringe die den Lebenslauf des Bären bis hin zu den Jahrezeiten aufschlüsseln. Helle Ringe deuten auf eine hohe Nahrungsaufnahme und damit auf ein schnelles Wachstum hin und dunkle Ringe auf eine geringe Nahrungsaufnahme und langsames Wachstum, das Wachstum ist also somit unterbrochen wenn der Bär Winterschlaf hält.

Knochenstruktur eines Eisbärenoberschenkels

Knochenstruktur eines Timimusoberschenkel die Pfeile deuten auf die Ringe wo ein vermindertes Wachstum zu erkennen ist

Bei der Untersuchung der Knochenpräparate von einem Timimus wurde festgestellt, dass es ebenso eine Zeit von schnellem Wachstum gab, gefolgt von einer Zeit langsameren Wachstums. Dieses deutet nun darauf hin, dass der Timimus jahreszeitlich bedingt seine Nahrungsaufnahmen unterbrach. Somit ist Timimus der erste (und einzige) Dinosaurier bei dem es einen Beweiss für den Winterschlaf gibt, er suchte sich wahrscheinlich wie unsere heutigen Eisbären über den 4 monatigen Winter im Polargebiet eine Höhle und überwinterte im Winterschlaf.Timimus war aber nicht der einzige Dinosaurier in Polnähe. 1989 wurde die wahrscheinlich erstaunlichste Entdeckung in " Dinosaur Cove" gemacht. Man fand die fossilen Überreste eines Dinosauriers, den Tom Rich nach seiner Tochter Leaellyna " Leaellynasaurus".
Leaellynasaurus lebte zur gleichen Zeit wie Timimus und war ca.90 cm groß. Seine Zähne waren so gefaltet dass er mit hartem Pflanzenmaterial zurecht kam, mit seinen viehrzehigen Hinterbeinen konnte er sehr schnell laufen und nutze dabei seinen starren Schwanz wie eine Balancierstange. Seine Knochenstruktur wurde ebenfalls untersucht, um herauszubekommen, ob auch er ein Dinosaurier war, der Winterschlaf hielt. Allerdings wich die Struktur deutlich von der Struktur eines Eisbärenknochen ab.

Knochenstruktur vonLeaellynasaurus zeigt keine Ring und weißt somit auf ein gleichmäßiges Wachstum hin

Bei Leaellynasaurus war keine Unterbrechung des Wachstums, bedingt durch Winterschlaf zu erkennen, Leallynasaurus wuchs gleichmäßig das ganze Jahr über unabhängig von den ihn umgebenden Temperaturen und nahm also kontinuierlich Nahrung auf. Bei Einbruch des Winters und damit abfallenden Temperaturen und völliger Dunkelheit hätte das Leben eines kleinen pflanzenfressenden Dinosauriers zum Stillstand kommen müssen, das tat es aber nicht. Der Grund dafür ist das Leaellynasaurus perfekt an seine Umwelt angepasst war.


Der Schädel von Leaellynasaurus mit Rekonstruktion des Gehirns. Rot eingefärbt die Hinterhauptslappen

Bei der Untersuchung des Schädelknochens von Leaellynasaurus stellte sich heraus, dass die Hinterhauptslappen enorm groß waren. Hinterhauptslappen sind die Teile im Gehirn wo die Reize die vom Auge kommen in visuelle Eindrücke umgewandelt werden. Ein Gehirn mit derart großen Hinterhauptslappen, was in der Lage ist schwächste Impulse umzuwandeln löst ein Hauptproblem, Leaellynasaurus war fähig bei beinnahe völliger Dunkelheit zu sehen. Die Natur hatte Leaellynasaurus vor 120 Millionen Jahren mit "Nachtsicht" ausgestattet. Mit dieser Fähigkeit war er in der Lage, über die dunklen Wintermonate hinweg aktiv zu bleiben und auf Nahrungssuche zu gehen welche unablässlich für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur war. Leaellynasaurus zeigt dass die Dinosaurier der Antarktis sehr viel komplexer an ihre Umwelt angepasst waren als die Wissenschaftler angenommen hatten. Einige verzögerten aufgrund ihrer hervorragenden Anpassungsfähigkeit sogar das Aussterben ihrer Art um Millionen von Jahren, als ihre Verwandten auf den nördlichen Kontinenten längst verschwunden waren. Die Weiten der Antarktis bieten noch große Fundstätten für Paläontologen, die aber durch das unwirtliche Klima schwer zu erkunden sind. Es bleibt abzuwarten welche aufsehenerregenden Geheimnisse noch zu Tage gefördert werden.