|
|
|
Lebengebärende Reptilien Paläontologen machten seit ca. 50 Jahren immer wieder Fossilfunde von Ichthyosauriern, in deren Leibern die versteinerten Skelette winziger Embryonen zu erkennen sind. Bisher sind annähernd 100 solcher Funde identifiziert worden, von denen die meisten aus Fundstellen in der Umgebung von Holzmaden in Süddeutschland stammen. In Sedimentschichten, die als tiefer Schlamm früher den Meeresboden bedeckten, haben sich viele Exemplare jurassischer Ichthyosaurier hervorragend erhalten. Ein Teil der gefundenen Fossilien enthielt zwischen ein und vier Embryonen, manche sogar bis zu zwölf. Lange Zeit sah man darin ein Beispiel für Kannibalismus. Dies schien eine wesentlich naheliegendere Erklärung zu sein als der revolutionäre Gedanke, dass derart frühe marine Reptilien ihre Jungen bereits lebend gebärten. Aber die Embryonen wurden nicht im Magen gefunden, außerdem entsprachen sämtliche Skelette der natürlichen anatomischen Anordnung und waren nicht, wie das bei halb verdauten Tieren hätte der Fall sein müssen, durcheinandergeworfen. Mittlerweile ist man sich in der Paläontologie einig, dass Ichthyosaurier lebende Jungen gebärten. Diese Theorie ließ sich noch weiter erhärten, als man Embryofossilien fand, die den Geburtskanal des Muttertieres bereits halb verlassen hatten. Allerdings handelt es sich dabei nicht um das Beispiel einer in Stein festgehaltenen Geburt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Mutter während des Geburtsvorgangs starb und das Jungtier durch die entstehenden Verwesungsgase nach außen gepresst wurde. Aus den Funden in Holzmaden wissen wir, dass Ichthyosaurier wie heutige Wale mit dem Schwanz voran den Geburtskanal verließen. Als durch die Lunge atmende Tiere wären sie ertrunken, wenn sie mit dem Kopf zuerst den Mutterleib verlassen hätten.
Die erstaunlich große Anzahl von Muttertieren und Embryos; die in Holzmadengefunden wurden, hat zu der Vermutung Anlass gegeben, dass sich hier eine "Geburtzone" befunden haben könnte und dass Generationen von Ichthyosaurier-Weibchen in diese Region kamen, um ihre Jungen zur Welt zu bringen und sich dabei allein durch ihre zahlenmäßige Stärke gegenseitig Schutz vor Raubtieren zu bieten. Zu welchem Zeitpunkt in ihrer Entwicklungsgeschichte die Ichthyosaurier aufhörten, Eier zu legen, lässt sich nicht bestimmen. Doch die Entwicklung zu lebend gebärenden Tieren bietet eine Erklärung für die Herausbildung ihrer fischähnlichen Formen. Sobald die Tiere nicht mehr an Land gelangen mussten, um Eier abzulegen, konnte sich ihr Körperbau vollständig der Lebensweise im Wasser anpassen.Bei anderen marinen Lebewesen ist die Frage, ob sie lebend gebärten, nicht so eindeutig zu beantworten. Bei den Fossilienfunden von Plesiosauriern und Pliosauriern hat man in noch keinem Fall Embryonen entdeckt. Ihr kräftiger Knochenbau mag einst entwickelt worden sein, um sich an Land zu ziehen und dort Eier zu vergraben. Dagegen spricht, dass alle vier Gliedmaßen zu Paddeln ausgebildet waren, und bisher hat man auch noch keine Eier dieser Reptilien gefunden.Diese Methode der Fortpflanzung von marinen Reptilien (lebendgebärend) ist allerdings einmalig in der Evolution der Reptilien. Nach den heutigen Erkenntnissen gab es keine weiteren Reptilienarten (einschließlich Dinosaurier, welche zu den Reptilien zählen) die ihren Nachwuchs lebend zu Welt brachten, was letztendlich wie eine von vielen Theorien annimmt mit ein Grund für ihren Untergang gewesen sein könnte. Die Theorie besagt: dass auf Grund von Umwelteinflüssen, die Schalen der Dinosauriereier nicht mehr richtig ausgebildet wurden und letztendlich eine Vielzahl von Embryonen im Ei verendeten, was wiederum das Gleichgewicht der Arten empfindlich störte. |






